4-Prozent-Regel: Hätte sie in Euro und nach Steuer gereicht?

Kurz gesagt

Nach der 4-Prozent-Regel entnimmt man im ersten Jahr 4 % des Vermögens und erhöht den Betrag danach mit der Teuerung — in amerikanischen Daten hätte das über 30 Jahre gereicht. Nachgerechnet mit deutschen Aktien und Bundesanleihen, in Euro und nach deutscher Steuer, hätte es in 88 % der 10.000 Verläufe gereicht und in 24 von 24 echten Startjahren.

Was sagt die 4-Prozent-Regel?

Im ersten Jahr werden 4 % des Vermögens entnommen, danach steigt der Betrag jedes Jahr um die Teuerung — gleich, wie sich das Depot entwickelt. Die 4 % gelten also nur im ersten Jahr; danach folgt die Entnahme den Preisen, nicht dem Depot. Gedacht ist die Regel für 30 Jahre und ein Depot aus Aktien und Anleihen. Umgekehrt gelesen: Wer im Jahr einen bestimmten Betrag braucht, braucht nach der Regel das 25-Fache davon.

Woher kommt die 4-Prozent-Regel?

Aus zwei Untersuchungen mit amerikanischen Daten. Der Finanzplaner William Bengen suchte 1994 die höchste Entnahme im ersten Jahr, die über 30 Jahre in jedem untersuchten Startjahr gereicht hätte — also die Rate des schwächsten Startjahrs. Die Trinity-Studie von 1998 zählte für verschiedene Raten, Aufteilungen und Laufzeiten, in wie vielen der betrachteten Zeiträume das Geld gereicht hätte. Aus beiden wurde die Faustregel und der Begriff der „sicheren Entnahmerate“ (englisch „Safe Withdrawal Rate“). Gemeint ist nur: In diesen Daten der Vergangenheit hätte es gereicht.

Hätte die Regel in Euro und nach deutscher Steuer gereicht?

Nachgerechnet mit 500.000 € zu 60 % in deutschen Aktien und zu 40 % in Bundesanleihen, im ersten Jahr 20.000 € entnommen und danach mit der Teuerung erhöht, über 30 Jahre:

  • Vor Steuer92 %der Verläufe hätten gereicht
  • Nach deutscher Steuer88 %der Verläufe hätten gereicht
  • Rate, die in 9 von 10 Verläufen getragen hätte3,9 %im ersten Jahr, nach Steuer: 19.424 €

Die Lücke zwischen beiden Quoten ist die Steuer: Jede Entnahme wird so verkauft, dass nach Steuer der volle Betrag ankommt, und was dafür mehr verkauft wird, fehlt dem Depot in den Jahren danach. Dazu kommen die andere Geschichte deutscher Märkte und die deutsche Teuerung — die Zahlen aus den amerikanischen Untersuchungen lassen sich nicht einfach übertragen.

Mit echten Startjahren — je Januar von 1973 bis 1996 ein Verlauf, genau in der Reihenfolge, in der die Jahre danach kamen — hätte das Geld in 24 von 24 Startjahren gereicht. Es hätte in jedem dieser Startjahre gereicht.

Welche Entnahmerate hätte gereicht?

Dieselbe Rechnung für Raten von 3 % bis 5 % im ersten Jahr, jeweils nach deutscher Steuer — einmal über 10.000 gezogene Verläufe, einmal über die echten Startjahre:

Entnahme im ersten JahrGezogene Verläufe: hätte gereicht inEchte Startjahre: hätte gereicht in
3 % — 15.000 €98 % der Verläufe24 von 24 Startjahren
3,5 % — 17.500 €94 % der Verläufe24 von 24 Startjahren
4 % — 20.000 €88 % der Verläufe24 von 24 Startjahren
4,5 % — 22.500 €80 % der Verläufe24 von 24 Startjahren
5 % — 25.000 €70 % der Verläufe24 von 24 Startjahren

Je höher die Rate, desto seltener hätte das Geld gereicht — der Übergang ist fließend, eine scharfe Grenze gibt es nicht. Welche Quote dir genügt, ist eine Abwägung zwischen mehr Geld im Jahr und dem Risiko, dass es vor dem Ende ausgeht.

Was ändert die Dauer der Entnahme?

Die Regel ist für 30 Jahre gedacht. Wer früher aufhört, entnimmt länger — und je länger die Entnahme dauert, desto weniger trägt das Depot im Jahr. Dieselbe Aufteilung, nach Steuer:

Dauer der Entnahme4 % im ersten Jahr hätten gereicht inRate, die in 9 von 10 Verläufen getragen hätte
30 Jahre88 % der Verläufe3,9 %
45 Jahre73 % der Verläufe3,1 %
60 Jahre64 % der Verläufe2,8 %

Warum zählt die Reihenfolge der Jahre?

In der Entnahme wird jedes Jahr verkauft. Fällt der Markt gleich zu Beginn, muss mehr vom Depot verkauft werden, um denselben Betrag zu entnehmen — und was verkauft ist, nimmt an der späteren Erholung nicht mehr teil. Derselbe Einbruch zwanzig Jahre später wiegt deutlich weniger. Fachleute nennen das Sequenzrisiko (englisch „Sequence of Returns Risk“). Ein Rechner mit fester Rendite kennt es nicht; eine Monte-Carlo-Simulation zeigt es, weil sie die Jahre in vielen Abfolgen zieht.

Was eine Krise am Anfang ausgemacht hätte

Dieselben Verläufe mit 4 % nach Steuer, nur beginnt die Entnahme mit den Monaten einer echten Krise, in ihrer echten Reihenfolge:

Am Anfang der EntnahmeHätte gereicht inMitte am Ende, heutige Kaufkraft
Keine bestimmte Krise (alle Verläufe)88 % der Verläufe564.330 €
Finanzkrise 2007–0952 % der Verläufe14.156 €
Dotcom-Blase 2000–0334 % der Verläufe0 €
Hohe Inflation 1973–8279 % der Verläufe155.316 €
Die schlechtesten zehn Jahre der Kursgeschichte66 % der Verläufe70.839 €

Wo liegen die Grenzen der 4-Prozent-Regel?

Sie beschreibt die Vergangenheit eines Marktes und ist keine Zusage für die Zukunft. Sie rechnet ohne Steuer, ohne Kosten und mit einer festen Dauer von 30 Jahren. Sie hält den Betrag starr, auch wenn das Depot stark gestiegen oder gefallen ist — in vielen Verläufen bleibt deshalb am Ende viel übrig, in einigen ist das Geld vorher aufgebraucht. Und sie kennt keine Rente und keine anderen Einkünfte, die einen Teil des Bedarfs decken.

Welche Alternativen zum festen Betrag gibt es?

Statt eines starren Betrags kannst du jedes Jahr einen festen Anteil vom aktuellen Depotwert entnehmen: Das Depot wird nie ganz leer, dafür schwankt der Betrag. Ein Liquiditätspuffer neben dem Depot zahlt die Entnahme in schwachen Jahren, damit nicht im Tief verkauft werden muss. Und Leitplanken senken oder erhöhen den Betrag, wenn der Entnahmesatz zu weit von seinem Anfangswert abweicht. Paperball rechnet alle drei — den Anteil vom Wert und den Puffer im Backtest und in Monte Carlo, die Leitplanken in Monte Carlo.

Wie rechnest du deine eigene Entnahmerate?

Trag Depot, Aufteilung und Entnahme ein: Der Entnahmeplan-Rechner rechnet deinen Plan mit echten Kursen, Steuer und Kosten durch, die Monte-Carlo-Simulation über 10.000 mögliche Verläufe. Beide suchen den höchsten Betrag, der getragen hätte — für deine Wertpapiere, deine Dauer und die Steuer deines Landes.

Quellen

  • William P. Bengen: „Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“. Journal of Financial Planning, Oktober 1994.
  • Philip L. Cooley, Carl M. Hubbard, Daniel T. Walz: „Retirement Savings: Choosing a Withdrawal Rate That Is Sustainable“. AAII Journal, Februar 1998 — die sogenannte Trinity-Studie.
  • Steuerregeln: § 32d EStG (Abgeltungsteuer), § 20 Abs. 9 EStG (Sparer-Pauschbetrag), § 18 InvStG (Vorabpauschale), § 20 InvStG (Teilfreistellung).
  • Kursgeschichte und Verbraucherpreise: eine wissenschaftliche Reihe deutscher Aktien, Renditen von Bundesanleihen aus der Zinsstruktur einer Zentralbank und amtliche Verbraucherpreise.

Stand: 25.10.2026

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  • Kennzahlen beschreiben die Vergangenheit. Die Monte-Carlo-Simulation bildet aus echten Monatsrenditen 10.000 mögliche Verläufe für Sparplan und Entnahme.

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